Es war im Frühsommer 1977. Ich hatte am 2. Januar meinen Job bei Canon Euro-Photo angetreten und machte nun mit meiner Frau den 1. Urlaub mit üppiger Fotoausrüstung. Mit einer F 1 und einem schwarzen FD 300/2,8 Fluorite ( mit grünem Ring!) stapften wir durch den heißen Sand von Fuerteventura. Es gab damals nur den Robinson Club in Jandia, nebenan eine Baustelle und das kleine Fischerdorf Morro und ein weiteres Hotel im Norden der Insel. Unterwegs trafen wir auf ein Ehepaar, das uns sofort ansprach. Angesichts der F 1 mit dem dicken Rohr daran wagte es der Mann, mir seine sündhaft teure Leica in die Hand zu drücken mit der Bitte, die beiden doch mal zusammen zu fotografieren, er sei sonst nie mit auf dem Foto. Gesagt, getan! Ich ergriff die Leica, nahm den richtigen Abstand und wollte gerade scharfstellen, als der Mann mich aufgeregt ansprach, ich solle doch bitte an nichts drehen, denn sein Fotohändler habe das schon alles eingestellt! Da war ich aber platt! Ein Blick auf die Leica zeigte folgendes:
1. das Objektiv 50 mm stand auf 3 m
2. 1/125 sec mit Blende 8 war eingestellt
3. der Film war ein 17° DIN Farbnegativfilm
Sonne lacht, Blende 8 mit 1/125 bei 17° DIN, dazu die Schärfentiefe von vorn bis hinten bei der hyperfokalen Entfernungseinstellung, begleitet von der Großzügigkeit des Negativfilms bei kleinen Fehlbelichtungen, das war das Geheimnis des Fotohändlers. Dazu die Empfehlung, immer mit Sonne im Rücken zu knipsen.

Wir sehen, auch damals gab es schon unbewußt "RAW-Jünger",
die Fehler nachträglich korrigierten.
Eigentlich könnten die "RAW-Jünger" es ähnlich machen.
Nehmt doch einfach das Beispiel des Fotohändlers und übersetzt das in die digitale Zeit:
AF abschalten - 3 m einstellen beim 50/1,8
100 ASA - mit EV 14 ergibt das 1/250 mit f:8,
nur noch mit Sonne im Rücken fotografieren
und den Rest am Rechner korrigieren!

Da es solch einfach denkende Menschen immer noch gibt, aber keine Fotohändler mehr, die das einstellen können, ist es sicher mal zu überlegen, ob man nicht mal für eine ganze Saison auf die Kanaren fliegt, um dort geführte Wanderungen mit Fotoworkshopcharakter zu machen.

Übrigens war die Leica  eine heute hochmoderne Kamera,
spiegellose Vollformat :-))